Sperrfrist bei VL: Das sollten Sie wissen
Die Sperrfrist ist entscheidend für die Steuerersparnis. Erfahren Sie, warum die siebenjährige Bindungsfrist wichtig ist und welche Regeln gelten.
Was ist die Sperrfrist?
Die Sperrfrist ist einer der wichtigsten Begriffe bei Vermögenswirksamen Leistungen. Sie’s eigentlich ganz einfach: Wenn Sie einen VL-Vertrag abschließen, müssen Sie das Geld für sieben Jahre anlegen und dürfen es nicht anfassen. Klingt lang? Es ist lang. Aber genau diese Bindung ist der Grund, warum der Staat die ganze Sache mit Steuervergünstigungen belohnt.
Ohne die Sperrfrist gäbe es keine Arbeitgeberleistung, keinen Wohnungsbauprämie und keine Sonderausgabenabzug. Die sieben Jahre sind also nicht einfach eine willkürliche Regel — sie’re der Preis für attraktive Förderung.
So funktioniert die 7-Jahre-Regelung
Die Sperrfrist beginnt mit der ersten Einzahlung. Von dem Tag an zählt jeder Monat. Nach genau 84 Monaten — das ist knapp sieben Jahre — endet die Bindung. Danach können Sie frei über Ihr Geld verfügen.
Wichtig: Wenn Sie vorzeitig abheben, verlieren Sie nicht nur die Steuervorteile. Sie müssen unter Umständen sogar gezahlte Steuervergünstigungen zurückzahlen. Das kann bedeuten, dass Sie mehr Steuern nachzahlen als Sie sonst hätten. Deshalb sollten Sie die Sperrfrist ernst nehmen.
Konkret: Haben Sie am 15. Januar 2024 angefangen, endet Ihre Sperrfrist am 15. Januar 2031. Nicht früher, nicht später.
Sperrfrist bei verschiedenen Anlageformen
Egal ob Sie einen Fondssparplan, einen Bausparvertrag oder ein anderes Anlageprodukt wählen — die Sperrfrist ist immer gleich. Sie beträgt sieben Jahre und gilt für alle Formen von Vermögenswirksamen Leistungen. Das ist wichtig zu verstehen, denn manchmal denken Menschen, dass ein Bausparvertrag schneller verfügbar ist. Dem ist nicht so.
Beim Fondssparplan beispielsweise können Sie zwar theoretisch jederzeit die Fondsanteile verkaufen — aber die Sperrfrist bleibt bestehen. Wenn Sie vor Ablauf der sieben Jahre abheben, werden die Steuervergünstigungen rückgängig gemacht. Das Finanzamt rechnet alles nach und Sie bekommen eine Nachzahlung.
Es gibt Ausnahmen
Die siebenjährige Sperrfrist ist hart, aber nicht unflexibel. Es gibt tatsächlich Situationen, in denen Sie vor Ablauf der Frist Zugriff auf Ihr Geld haben — ohne Konsequenzen.
Wenn Sie das Geld für eine Immobilie verwenden wollen, kann es in Ihren Bausparvertrag fließen. Das ist kein Problem und keine Sperrfrist-Verletzung. Bei einem Bausparvertrag passiert das automatisch. Bei Fondssparplänen müssen Sie aktiv handeln, aber auch das ist möglich. Außerdem gibt’s Hardship-Klauseln bei echten Notfällen — Arbeitslosigkeit, schwere Krankheit. Die sind aber restriktiv und erfordern genaue Dokumentation.
Gültige Gründe für vorzeitige Entnahme:
- Bauspardarlehen-Auszahlung (bei Bausparverträgen)
- Finanzielle Notlage (nachweispflichtig)
- Tod des Arbeiters oder des Ehegatten
Praktische Tipps zur Sperrfrist
So gehen Sie smart mit der Bindung um und maximieren Ihren Vorteil.
Markieren Sie das Enddatum
Schreiben Sie sich auf, wann die Sperrfrist endet. Nicht in irgendeinen Zettel — in Ihren Kalender oder in eine Notiz-App. Sie werden überrascht sein, wie schnell die sieben Jahre vorbei sind, wenn Sie es nicht beobachten.
Mehrere Verträge versetzt
Sie können mehrere VL-Verträge gleichzeitig haben. Wenn Sie alle im gleichen Monat starten, enden sie auch alle zusammen. Besser: Versetzen Sie die Startdaten. Dann haben Sie alle zwei Jahre Geld verfügbar.
Behalten Sie die Bescheinigungen
Ihre Bank sendet Ihnen jedes Jahr eine Bescheinigung über die Einzahlungen. Speichern Sie diese sorgfältig. Wenn Sie später eine Werbungskosten-Bescheinigung brauchten oder Steuern nachgeprüft werden, benötigen Sie diese Dokumente.
Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber
Ihr Arbeitgeber sollte wissen, dass Sie einen VL-Vertrag haben. Manche Unternehmen haben Gruppenverträge mit besseren Konditionen. Außerdem können Sie so sichergehen, dass die monatliche Arbeitgeberleistung wirklich angerechnet wird.
Fazit: Die Sperrfrist ist Ihr Vorteil
Die siebenjährige Sperrfrist klingt anfangs einschränkend. Aber sie’s tatsächlich das beste Geschäft, das Sie mit dem deutschen Staat machen können. Während die Sperrfrist läuft, sparen Sie Steuern, erhalten Arbeitgeberleistung und — wenn Sie einen Bausparvertrag haben — noch eine Wohnungsbauprämie obendrauf.
Die Regel ist einfach: Wenn Sie nicht wissen, dass Sie das Geld in den nächsten sieben Jahren brauchen, sollten Sie einen VL-Vertrag abschließen. Der Staat belohnt Sie dafür, dass Sie Geld anlegen. Das Einzige, das Sie tun müssen, ist warten. Und nach sieben Jahren gehört Ihnen das komplette Vermögen — mit allen Gewinnen und Förderungen.
Haben Sie noch Fragen zur Sperrfrist oder zu VL im Allgemeinen? Schauen Sie sich unsere anderen Artikel an oder kontaktieren Sie einen Finanzberater.
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Die Informationen auf dieser Seite dienen nur zu Bildungszwecken und ersetzen keine persönliche Finanzberatung. Die Sperrfrist-Regelungen können sich ändern und sind abhängig von Ihrer individuellen Situation, Ihrem Einkommen und Ihrem Bundesland. Bitte konsultieren Sie einen qualifizierten Finanzberater oder Steuerberater, bevor Sie Entscheidungen zu Ihren Vermögenswirksamen Leistungen treffen. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen.